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Narratologie

Narratologie (die Wissenschaft vom Erzählen) geht davon aus, dass dieselbe Story auf vielfältige Weisen in Erzählungen umgesetzt werden kann. Der Inhalt des Erzählten (histoire) und seine Präsentation (discours) stehen dabei in ständiger Wechselwirkung. Den Mittelpunkt der narratologischen Untersuchung bildet jedoch die Analyse der Erzählung selbst und die Herausarbeitung ihrer Struktur. Die Geschichte der Narratologie, deren Beginn man mit Vladimir Propp (1895-1970) ansetzen kann, ist die Suche nach differenzierten Kategorien zur Untersuchung von Erzähltexten. Verschiedene Narratologen (zum Beispiel Julien Greimas, Tzvetan Todorov, Roland Barthes) stellten dabei bei unterschiedlicher Gewichtung je andere Aspekte in den Vordergrund. Die derzeit umfassendste methodenorientierte Erzähltheorie stammt von Gérard Genette. Die Etablierung der Erzählforschung in Deutschland begann im 20. Jahrhundert mit den Arbeiten von Käte Friedemann und Käte Hamburger. Bis heute ist die Erzählforschung ein wesentlicher Bereich theoretischer Forschung in Deutschland (Eberhard Lämmert, Ansgar Nünning, Forschergruppe Narratologie in Hamburg).

Seit einigen Jahren findet die Erzähltheorie auch Anwendung auf andere Zeichensysteme, vor allem auf den Film (Seymour Chatman). Diese Forschung schärft die Überlegungen hinsichtlich einiger Kategorien, deren Definition und Funktion bisher relativ klar zu sein schienen (zum Beispiel die Kategorie des Erzählers).