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Poststrukturalismus

„Poststrukturalismus“ ist keine einheitliche Methodenrichtung oder „Schule“, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene, interdisziplinäre subjekt- und hermeneutikkritische Ansätze, die in Auseinandersetzung mit dem Strukturalismus seit dem Ende der 1960er Jahre in Frankreich entstanden. Ihre internationale Konjunktur erlebte die poststrukturalistische Denkweise in den 80er Jahren und nimmt seitdem vor allem in den Vereinigten Staaten einen wichtigen Rang ein.

Zu den grundlegenden literaturtheoretischen Annahmen des Poststrukturalismus zählt die Auffassung, daß „der Autor“ bzw. das Autorsubjekt eine historisch bzw. gesellschaftlich konstruierte Institution sei, die nicht als Maßstab der Textlektüre dienen könne. Das Interesse richtet sich – im Gegensatz zu Hermeneutik bzw. Strukturalismus - auf den Prozeßcharakter des Textes, d.h. auf die Sinnproduktion und die Strukturierungsleistung im Vollzug des Lesens, wobei „Sinn“ grundsätzlich als unfest und fließend betrachtet wird. Der Poststrukturalismus zielt nicht auf ein präzises Analyseinstrumentarium für Texte, wie es insbesondere die strukturalistische Forschung zu bieten versucht, sondern vielmehr auf ein Bewußtsein von der Problematik des etablierten Zeichenbegriffs, der als metaphysisch grundiert aufgewiesen wird.

Die wichtigsten Vertreter des Poststrukturalismus sind Roland Barthes, Jean Baudrillard, Hélène Cixous, Gilles Deleuze, Jacques Derrida, Michel Foucault, Felix Guattari, Luce Iragaray, Julia Kristeva, Jacques Lacan und Jean-François Lyotard.

Drei einflußreiche methodische Richtungen sind aus dem poststrukturalistischen Autorenkreis hervorgegangen: 1. die Diskurstheorie bzw. Diskursanalyse (Foucault), 2. die Theorie der Intertextualität (Kristeva) und 3. die Dekonstruktion (Derrida), die von den sog. Yale Critics (neben dem federführenden Paul de Man, Harold Bloom, Geoffrey H. Hartmann und J. Hillis Miller) in Verbindung mit den rhetorikanalytischen Traditionen des New Criticism als literaturanalytische Methode ausgebaut wurde.